“Und ja, es war Sonntag. Es war in Bad Schönborn. Wir waren bei einer Geburtstagsfeier. Dann hat es geklingelt. Ein junger Mann stand an der Tür. Später erfuhr ich, das ist der Hartmann. Heribert Rech verabschiedete sich von uns. Verschmitzt lächelnd. „Ich muss noch Gespräche führen“.” So oder ähnlich hätte mir mein Informant berichtet. Zum Thema „Kandidatensuche der CDU“. Als Ergänzung meines Tagebucheintrages vom 5. August:
„Insbesondere der Vorwurf, Hartmanns Unterstützung sei von Parteioberen schon lange vor dem Beschluss vom 3. Juni geplant gewesen, sei völlig falsch, so Brüstle in der Bruchsaler Rundschau. Hier habe ich andere Informationen. Weit vor dem obigen Datum soll ein Minister des Landes Baden-Württemberg Gespräche mit Herrn Hartmann geführt haben. Hierüber kann ich aber erst berichten, wenn ich die Freigabe von meinen Informanten bekommen habe.“
Jetzt ist die Bruchsaler CDU mit dem heutigen (07. August 2009) Bericht in der Bruchsaler Rundschau in die Offensive gegangen.
Rekapitulieren wir. Wie war die zeitliche Abfolge der Kandidatenfindung (alle Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen):
11. Januar 2009: Doll erklärt beim Neujahrsempfang sein vorzeitiges Abdanken.
Ende Januar 2009: Schuhmacher, Skibbe und ein 3. Kandidat stellen sich zur Verfügung.
Februar 2009: Die CDU spricht sich für den Kandidaten Schuhmacher aus.
März 2009: Hartmann erfährt lt. eigenen Angaben über die Ausschreibung im Staatsanzeiger.
26. März 2009: Erster Bericht der Bruchsaler Rundschau über die Kandidatur Schuhmachers.
03. April 2009: Schuhmacher sagt seine Kandidatur ab.
Frühjahr 2009: Erstmals wird Hartmann von „CDU-Netzwerkern“ ins Spiel gebracht.
24. Mai 2009: Hartmann lernt einen erweiterten Kreis der CDU-Nomenklatura in Bad Schönborn kennen.
29. Mai 2009: Hartmann verkündet in einer Pressemitteilung seine OB-Kandidatur als CDU-Mitglied und “unabhängiger” Bewerber.
31. Mai 2009: Hartmann feiert den 90. Geburtstag vom Opa seiner Frau.
03. Juni 2009: Erster Tag von Hartmann in Bruchsal.
03. Juni 2009: Vorstellung von Hartmann vor dem Stadtverbandsvorstand der CDU.
03. Juni 2009: Stadtverband diskutiert auch die Bewerbung von Skibbe und sagt diesem ab.
03. Juni 2009: Stadtverbandsvorstand unterstützt die Bewerbung von Hartmann.
09. Juni 2009: Hartmann joggt erstmals in Bruchsal.
Was geschah über den oben genannten Ablauf hinaus noch? Ich spekuliere.
Olaf Bühler in der Bruchsaler Rundschau: „Ich habe den Verdacht, dass schon mehrere Wochen vor der offiziellen Unterstützungsbekundung durch die Partei, bei CDU-Verantwortlichen Einigkeit über den Kandidaten Hartmann und den Zeitpunkt seiner Installation geherrscht hat.“
Hartmann wird wohl zumindest zwischen März 2009, wo er die Ausschreibung im Staatsanzeiger gelesen haben will, und Anfang Mai erste Kontakte zur Bruchsaler CDU gehabt haben. Sei es auf eigene Initiative, auf Initiative der Bruchsaler CDU-Führungsriege, die händeringend einen Kandidaten suchte, sei es auf Zutun der oben erwähnten „CDU-Netzwerker“ oder auf Initiative vom Oberbürgermeistermacher Heckmann. Die große Runde mit Stark, Brüstle, Holoch und Rech vom 24. Mai diente wohl nur noch dazu, die getroffenen Absprachen festzuklopfen.
Bruchsaler Rundschau: Florian Hartmanns Stunde war gekommen. Am Freitag, 29. Mai, kündigte er der Bruchsaler Rundschau seine Kandidatur an. Wie sehr er sich zu diesem Zeitpunkt einer Unterstützung durch die CDU sicher sein konnte, bleibt unklar.
Beim Treffen in Bad Schönborn am 24. Mai 2009 könnte Hartmann von der CDU-Spitze signalisiert bekommen haben, dass er seine Bewerbung beim Rathaus abgeben könne. Die Unterstützung der CDU sei ihm sicher. Nach der Vorstellung von Hartmann vor dem Stadtverbandsvorstand am 3. Juni wurde lt. Bruchsaler Rundschau auch die Personalie Skibbe diskutiert.
Bruchsaler Rundschau: In dem Schreiben Bühlers an Hartmann heißt es, er empfinde „das Verfahren unserer Parteiorgane … als unsäglich, undemokratisch und zutiefst verfilzt.“
Warum ist Herrn Bühler zuzustimmen? Die Kandidatur des CDU-Mitglieds Hartmann stand ab 29. Mai fest und war veröffentlicht. Hätte der Stadtverbandsvorstand am 3. Juni für Jens Skibbe gestimmt, hätten zwei CDU-Mitglieder gegeneinander kandidiert. Und sich gegenseitig die Stimmen weggenommen. Die Stadtverbandsvorstände MUSSTEN daher für Hartmann stimmen. Die Diskussion um die Kandidatur von Herrn Skibbe wahr wohl nichts anderes als Spiegelfechterei. Für die Galerie. Wieviele CDUler stimmten für Hartmann mit knirschenden Zähnen und geballter Faust in der Tasche?
Vielleicht war es aber so: Am 24. Mai sagten Werner Stark, Günter Brüstle, Matthias Holoch und Heribert Rech dem Kandidaten Hartmann, dass er sich nicht bewerben solle, da er nicht das Format für einen Oberbürgermeister von Bruchsal habe. Hartmann gab dennoch seine Bewerbung ab und die Mehrheit der Stadtverbandsvorstände sagte ihm notgedrungen die Unterstützung zu. Obwohl er gegen den Willen der Bruchsaler CDU kandidierte.
Nach meiner Meinung hat die Bruchsaler CDU das C wie christlich und das D wie demokratisch verwirkt. Nennen wir diese Partei in Bruchsal ab sofort nur noch die U.
Noch ein Wort zu Jens Skibbe. Ulrich Konrad nennt ihn in seinem Kommentar im Stadtmagazin Willi “Mein persönlicher Local Hero”. Dem kann ich nur zustimmen. Was macht nur ein so aufrechter, anständiger Mensch in so einer Partei …